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Ein Besuch auf der Mandleiten in Altenmarkt im Sommer 2003

 

Tagebuchauszug von Anja Manleitner vom 09.07.2003

 

271 Jahre ist es her, dass Phillipp Mandlleitner mit seiner Frau und seinen Kindern nach Preußen ausgewandert ist. – Und nun kommen wir wieder dorthin.

 

Früh sind wir aufgestanden, schon um kurz vor 7. Wir haben uns Brote gemacht und sind schon um 8.05 Uhr mit dem Bus zum Bahnhof gefahren. Wir fuhren von Salzburg nach Bischofshofen, wo wir umsteigen mussten. Wenn wir bisher dachten, um Salzburg herum wären die Berge hoch, dann haben wir in Bischofshofen aber gestaunt! Dort hat man vom Bahnhof einen tollen Blick auf ein gewaltiges Bergmassiv. Wir fuhren nun durch hohe Felsenwände vorbei an schönen kleinen Gebirgsflüssen. In Werfen, wo es eine Eishöhle gibt, gibt es auch eine Burg, ganz oben auf dem Berg. Wie die dort jemals gebaut werden konnte, weiß ich nicht. Rundherum fällt der Felsen steil ab. Sicher war sie so auf jeden Fall! So fuhren wir weiter durch eine herrliche Gebirgslandschaft. Dann kam ein kleines Örtchen mit einer schönen Kirche. Ich erkannte sie gleich wieder. Es war die Kirche „Zu Unserer Lieben Fraue“ in Altenmarkt. Wir stiegen aus dem Zug und es war für mich ein bisschen wie nach Hause kommen. Das hier hatten also unsere Vorfahrenverlassen, weil sie anders glauben wollten, als die Kirche es vorschrieb. Wir fotografierten uns vor dem Ortsschild und gingen in den Ort hinein. Welche Häuser wohl vor 271 Jahren schon standen? Na, die Kirche bestimmt! Wir sind also hinein gegangen und haben uns alles angeschaut. Hier haben unsere Ahnen gesessen und gebetet. Hier wurden sie immer unzufriedener mit ihrer Kirche und haben irgendwann entschieden, wegzugehen. Sie haben hier in den Bänken gesessen und zu der gleichen heiligen Maria gebetet, die jetzt vor uns steht. Nicht zu fassen!!! In einer Seitenkapelle, die nur der Maria geweiht ist, zünden wir drei Lichter an: Eins für Phillipp, eins für Rupert, der unser Stammvater ist und eins für unsere Familie. Danach gehen wir über den Friedhof, viele Namen kommen mir bekannt vor: Schartner, da gibt es eine Rosina Schartner in unserem Stammbaum. Lackner, Anna Lackner, sie heiratete einen Manleitner und so geht es weiter mit Brandtstädter, Huber und einigen anderen. Ein Grab mit dem Namen Manleitner findet man hier nicht mehr. Wir gehen weiter durch das Dorf. Altenmarkt lebt ganz und gar vom Tourismus, Schi laufen im Winter, Wandern im Sommer, aber vor allem Schilaufen! Wir sitzen einer Bank, essen unsere Brote und fragen uns, was für eine Stimmung wohl vorherrschte, damals vor genau 271 Jahren. Was wurde von der Kanzel gepredigt und wie veränderte sich die Stimmung, als die Exulianten weg waren? Vielleicht finden wir ja noch eine Antwort. Also gehen wir weiter durch das Dorf, bis hinaus zum Mandleitengut. Das sind ungefähr drei Kilometer von der Ortsmitte. Ein Schild gibt uns Auskunft, dass wir unser Ziel erreicht haben: Familie Fischbacher, Mandleiten 4. Auch sie vermieten, wie alle hier, Zimmer. Es ist ja auch günstig gelegen: Nahebei sind Loipe und Lift. Die Tür steht offen, wir klopfen und eine Frau, so um die 50 kommt. Als ich mich vorstelle „Ich bin Anja Manleitner“ ist sie sofort im Bilde, was wir wollen und bittet uns herein. Wir werden von ihr und ihrem Mann freudig begrüßt. Sie zeigt uns unseren Stammbaum, den, den Thomas gemacht hat und den sie mal von Helmut aus Albersdorf bekommen hat, und erzählt uns ein bisschen über den Hof. Wir sind tatsächlich mit den Fischbachers verwandt, sehr weitläufig zwar, aber der hof ist nachweisbar seit 1350 in Familienbesitz. Nachdem Phillipp mit seinen Kindern oder besser mit den meisten seiner Kinder gegangen war, blieb der Hof trotzdem im Familienbesitz. Nur nahmen jetzt die Frauen die Namen der Männer an, daher wechselten die Besitzernamen häufiger. Der Hof behielt aber den Namen Mandleiten. Aus diesem Grunde wurde dem Hof vor 11 Jahren die Bezeichnung „Erbhof“ verliehen. Dafür bekamen die Fischbachers vom Amt Salzburg-Land ein großes Wappen des Landes Salzburg unter dem „Erbhof“ steht. Von den alten Gebäuden gibt es nichts mehr, denn vor 110 Jahren ist der Hof abgebrannt. Als Herr Fischbacher Ende der 1960er Jahre das aktuelle Wohnhaus baute, fand er aber viele alte Steine, die vom früheren Haus stammten. Darauf wurde das jetzige Wohnhaus errichtet. Was Herrn Fischbacher immer wieder zu denken gibt, ist die Tatsache, dass die Menschen damals einen so starken Glauben hatten, dass sie dafür haus, Hof und Familieaufgaben. Das würde er nicht tun, sagte er. Denken kann man schließlich, was man will. Aber die öffentliche freie Religionsausübung hat doch ein Stück mehr Lebensfreiheit, denke ich.

Nach dem Gespräch gingen wir raus, um den Berg, die Mandleiten, noch etwas weiter raufzugehen. Vorher mopste ich mir aber aus dem Garten von Frau Fischbacher ein Döschen voll Erde. Der Weg den Berg hoch war schön. Überall am Wege wächst Quendel, der wilde Thymian. Ich habe mir welchen mitgenommen, hoffentlich wächst er bei uns an. (Anmerkung: Er ist angewachsen! Und er hat sogar den Winter überstanden!) Weiter oben auf dem Berg gab es einen schmalen Weg für das Vieh, den bin ich dann weitergegangen, bis zu einer steilen Wiese. Dort bin ich dann hochgeklettert, bis ich einen tollen Ausblick über ganz Altenmarkt hatte. Als ich die Wiese wieder verließ und damit auch diesen schönen Ausblick, wusste ich, was die Menschen damals gefühlt haben. All der Besitz und die Schönheit sind nichts wert, wenn es die Freiheit nicht gibt. Und sie sind gegangen mit der Hoffnung auf Freiheit, dann ist es überall schön. Sicher hat sie der Abschied geschmerzt, aber die Hoffnung war größer. Schade, dass es von damals keine Tagebücher oder Briefe mehr gibt, das würde uns in unseren Vermutungen vielleicht bestätigen.                                                Skadic

 

 

 
   

   © 2003/04 by Robert Manleitner